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Die Vorteile körperorientierter Arbeit

23. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Aug.

Unser Körper ist eine Art Brücke zwischen unserer Innenwelt, unserer geistig seelischen Welt und unserer äusseren physisch erfahrbaren Welt. Mit unserem Körper greifen wir wortwörtlich in die Welt ein. Wir gestalten sie mit.

Wenn uns nun durch frühere Erfahrungen von Unsicherheit ein Vertrauen fehlt, uns ganz ausdrücken, unsere Innenwelt nach aussen zu tragen, uns ganz in der Welt zu zeigen, in die Welt hinauszugehen mit unseren Ideen, dann kann sich das als Blockaden, Hemmungen, Ängste, als Eingeschränktsein anfühlen.



Anhand der Körperbewegungen können wir erkennen, wie frei sich jemand fühlt, seine Gefühle und Gedanken auszudrücken. Wir sehen in der Bewegung und Haltung eines Menschen seine Sicherheit und Unsicherheiten. Wir sehen, wie frei Gefühle fliessen können, oder nicht. Wir sehen, wie viel jemand zurückhält, wie sehr sich ein Mensch anspannt und festhält. Wir sehen, wo Vertrauen fehlt, um sich ganz zeigen zu können. Wir erkennen Zurückhaltung, in Haltung und Bewegung.


Das macht die körperorientierte Arbeit so wertvoll. Wir können auf direkte Weise Einblicke erhalten über das Innere eines Menschen, ohne dass wir darüber schon sprechen müssen.

Und, es ist eine nachhaltige, selbstwirksame, und transformative Erfahrung, wenn wir uns selbst darin erleben, wie wir uns immer mehr trauen, z.B. Wut zuzulassen. Wenn wir erleben, wie kraftvoll und selbstermächtigend das sein kann, Wut im ganzen Körper zu spüren.

Wir erleben körperlich eine Kraft, die wir uns bis anhin vielleicht nicht erlaubt hatten.

Und mit dem körperlich erlebten Prozess erlauben wir uns eine kognitive Umdeutung. Wir erfahren, dass Wut lebensnotwendig ist. Dass sie Leben schützt, und nicht bloss destruktiv ist. Gesunde Aggression brauchen wir, um Nein sagen zu können, um unsere Grenzen zu wahren, um uns selbst halten zu können. Ohne Wut spüren zu können sind wir ausgeliefert und können uns ohnmächtig fühlen. Wut ist eine starke Kraft in uns, die Positives schaffen kann, und die dann destruktiv und selbstschädigend sein kann, wenn wir sie unterdrücken, und sie sich in Krankheiten zeigt oder an anderen Menschen entladen wird. Frei fliessende Gefühle wirken konstruktiv, unterdrückte Gefühle haben destruktive Auswirkungen auf uns selbst und die Mitmenschen.


Die körperorientierte Arbeit kann uns dabei unterstützen, herauszufinden, welche Kräfte und Lebensenergien wir unterdrücken, weil wir gelernt haben, dass wir sie nicht zeigen dürfen. Sie hilft uns daher, selbstschädigende Muster aufzudecken, und diese zu verwandeln.

Wir lernen, dass Gefühle und Emotionen in erster Linie neutrale natürliche Kräfte sind, für die wir uns weder schämen, noch schuldig zu fühlen brauchen. Je stärker wir werden, diese zu halten, und diese in gesunder konstruktiver Weise zu nutzen, desto selbstermächtigter und kraftvoller fühlen wir uns. Desto mehr spüren wir uns überhaupt selbst. Wir lernen, dass wir willkommen sind, mit allem was wir sind. Wir integrieren immer mehr Anteile in uns und werden immer ganzer, und individuierter.


Kreativität und Gesundheit ist deswegen auch eine Bewegungsfreiheit. Eine Freiheit zu fühlen und zu denken, und diese Gedanken und Gefühle auch auszudrücken.


Martin Buber schreibt, "In der Bewegung wird unmittelbar sichtbar, was das Ich und mein Gegenüber leiblich, mit allen Sinnen kann: Kann es sich abgrenzen, durchsetzen, etwas fordern, Wut zeigen, sich entspannen, atmen."

Gesundheit ist also auch eine Bewegungsfreiheit (geistig, seelisch, körperlich)

Eine Wandelbarkeit. Kann ich mich dem Wandel in mir drin hingeben. Können wir alles ausdrücken, was in uns ausgedrückt werden möchte?

Dafür brauche ich ein starkes Gefäss. Ich brauche eine Sicherheit in mir drin, dass ich diese Gefühle halten kann. Es ist überfordernd, wenn ich mir zuviel Fühlen zumute, ohne das Bewusstein, das dieses Fühlen tragen kann. Wir arbeiten daran, das Gefäss zu stabilisieren, die innere Sicherheit zu vergrössern, damit mehr Gefühle Raum bekommen, und sie in Sicherheit angeschaut werden können. Das ist das Entscheidende, dass wir als eine Art Aussenstehende auf unsere Gefühle schauen können. Dass wir gleichzeitig Beobachtende und Fühlende sein können. Dass wir eine Art Vater oder Mutter für unser inneres aufgebrachtes Kind sein können. Dass wir uns selbst halten können. Wir leiten uns. Wir lassen uns fühlen, ohne uns von den Gefühlen überschwemmen zu lassen. Wir regulieren, wir entscheiden, wieviel und wann wir etwas tief fühlen können und dafür bereit sind.


Wir lernen, die Führung für uns selbst zu übernehmen. Für unsere Gedanken und Gefühle.


 
 
 

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