Wege zur Kreativität
Wie entsteht etwas Neues? Wie ist Veränderung möglich?
Tiefgehenden Wandel können wir nicht mit dem Verstand allein bewirken.
Unser Verstand beschränkt sich darauf, aus bekannten Mustern neue Kombinationen zu entwickeln. Scheinbar Richtig und Falsch sind festgelegt und wir bewegen uns immer innerhalb unserer eigenen Grenzen. Wollen wie aus unseren nicht bewussten Denkmustern hinaustreten, müssen wir sie uns bewusst machen. Unsere 'Fehler' von heute können die Erfindungen von Morgen sein.

Es fällt uns nicht leicht zuzugeben, wenn wir etwas nicht wissen. Und doch ist gerade dies der Anfang von Kreativität: Nicht Wissen. Wenn wir lernen Wissen und Sicherheiten loszulassen, können wir frische Wege gehen. Solange wir uns an unserem 'Wissen' festhalten, wiederholen wir Vergangenes.
Wir lernen nicht aus der Geschichte wenn wir die Geschichte lernen.
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht darin, Neues zu denken, sondern uns von unseren bisherigen Gedanken zu befreien.
Unsicherheit und Freiheit sind zwei Seiten derselben Münze. Improvisieren heisst, genau hinhören, und da anfangen, wo wir im Moment gerade stehen. Wir können nur da anfangen, wo wir gerade sind: Kreativität fliesst, wenn wir ganz in der Gegenwart sind. Kreative Intelligenz beginnt da, wo das Wissen aufhört, und das Vertrauen beginnt.
Wenn wir uns ganz auf die neue Situation einlassen und eine frische Wahl treffen, frei von vergangenen Meinungen, Vorurteilen und Haltungen.
Dafür dürfen wir ein achtsames Zuhören entwickeln, für uns, unser Gegenüber und die Umgebung.
Leeren statt Lehren. Wir können Kreativität nicht auf dieselbe Weise lernen, wie wir es gewohnt sind zu lernen. Üblicherweise lernen wir etwas, das wir dann 'beherrschen' wollen, sei es eine Sprache oder eine handwerkliche Fertigkeit. Kreativität ist jedoch nichts, das wir beherrschen oder kontrollieren können. Im Gegenteil - je mehr wir etwas erzwingen wollen, desto mehr ziehen sich unsere kreativen Kräfte zurück. Die Wege zur eigenen Kreativität sind indirekte Wege und führen über das Loslassen. Wir dürten lernen, sie uns zu erlauben, indem wir uns darüber bewusst werden, wie wir uns von unserer Kreativität abgetrennt haben. Kreativität ist wie eine Sprache, die wir als Kinder lebten, unsere eigentliche erste ganz persönliche Muttersprache. Die Sprache unserer Existenz, die scheinbar selbst aus uns heraus sprechen will. Es ist die Sprache unserer Lebendigkeit.
Wenn wir uns auf das Proiekt einlassen, an unserer Kreativität zu arbeiten, bedeutet das auch, uns wieder zu erlauben, lebendig zu sein.
Es ist mehr ein Bewusstwerdungsprozess. Wir lernen über Selbstbefragung, um unser Bewusstsein von uns Selbst zu fördern. Es gibt keine Theorien oder Rezepte, welche wir auswendig lernen können. Es ist eine inwendige Angelegenheit. Bewusstwerdung bedeutet in diesem Sinne, dass wir genau hinschauen, welche Handlungs- und Denkmuster uns momentan als richtig erscheinen. Wenn wir unsere eigenen bis anhin unbewussten und instinktiven Handlungen und Denkmuster als solche erkennen, können wir beginnen, eine Beobachterrolle einzunehmen. Wir sind dann
nicht mehr in den Mustern gefangen, die uns scheinbar automatisch passieren, sodass wir immer wieder gleich mechanisch reagieren und die gleichen Wege gehen und dieselben Gedanken reproduzieren, sondern es tut sich plötzlich eine Möglichkeit der Wahl auf. So sind wir offen zu lernen und zu wachsen und uns von uns selbst überraschen zu lassen.
Wir lernen unsere Abwehrmechanismen, Widerstände, Hemmungen, Blockaden zu erkennen. So werden die Wege zu unseren Quellen der Kreativität freigelegt, und sie kann wieder von selbst fliessen.
Kreativität ist nicht etwas, das wir tun - es ist vielmehr Hingabe.
Die Arbeit an unserer Kreativität ist eine Arbeit an uns selbst. An der eigenen Wahrnehmung
und daran, wie wir mit uns selbst umgehen.



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