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Liebe und Leid

21. Aug.
2 Min. Lesezeit

Der Weg in eine als sicher erlebte Liebe führt durch den Schmerz, den wir unterdrücken.

Je mehr innere Sicherheit wir erleben, und dadurch bereiter werden, Schmerzen zu fühlen, desto freier werden wir, Liebe zu erleben.



Eigentlich gibt es keinen Unterschied zwischen der Liebe und dem Leid. Das mag seltsam klingen.

Aber für das Nervensystem gibt es tatsächlich keinen Unterschied. Da gibt es bloss eines: Sicherheit. Bin ich sicher, kann ich alles fühlen. Die ganze Klaviatur hinauf und hinunter. Leid und Liebe sind wie tiefe und hohe Töne. Wer würde da sagen, dass die einen wertvoller sind als die anderen? Wir brauchen beide, damit die Musik farbenreich wird und an Tiefe und Bedeutung, an Gewicht gewinnt


Der Weg in die Liebe führt also durch das Fühlen der unterdrückten Schmerzen. Durch die Sicherheit und Bereitschaft, ein bisschen mehr zu fühlen. Stück um Stück. Sanft, und im eigenen Rhythmus.

Fühlen, und dabei präsent bleiben. Das heisst, fühlen, ohne zu zerdenken. Wir können üben, den Schmerz ohne Narrativ zu erleben, ohne Erklärung, Rechtfertigung, Anschuldigung, Analyse, oder Suche nach äusseren Antworten. Es bedeutet, die Selbstverantwortung wieder zu übernehmen und sich für sich selbst zu entscheiden. Für die eigene Freiheit. Und diese innere Sicherheit führt uns zu immer grösserer innerer Freiheit. Diese innere Freiheit ist Liebe. Da der Blick der Liebe beidem begegnen kann, dem Schmerz und der Liebe, mit ungeteilter Aufmerksamkeit und bedingungslosem Wohlwollen, im Wissen, dass sich alles wandelt, im Fluss der Gegenwart.

Wir schützen uns also vor dem, was wir insgeheim wollen. Unsere Physiologie, unser Nervensystem,

unser innerer Sicherheitsradar entscheidet darüber, wieviel Liebe und Leid wir

bereit sind zu empfangen, ohne dass es als Zuviel, als unsicher eingestuft wird und unser System dicht macht, sich bewahrt vor Überforderung.

Das Nervensystem unterscheidet nicht zwischen Liebe und Leid. Beides kann als nicht sicher, als Zuviel empfunden werden. Daher schützen wir uns genau vor dem, was wir insgeheim wollen.

Wir schützen uns vor Schmerz und wollen Liebe. Da es für das Nervensystem keinen Unterschied macht, blockieren wir beides.

Der Weg zu mehr Liebe führt durch den Schmerz, der in einem sicheren Raum erlebt werden darf.

Innere Sicherheit ist der Weg und der Boden zu mehr Fähigkeit und Bereitschaft, Leid in Liebe zu verwandeln.

 
 
 

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